„Imperium“ des Rechtsterroristen Karl-Heinz Hoffmann

Nach der Wende: Die Rückkehr des Wehrsportgruppenanführers

bild_hoffmannIn den 90er Jahren gab es wie in anderen Orten entlang der Saale auch in Kahla neonazistische Aktivitäten mit unterschiedlichster Ausrichtung und seit der Wende war die Stadt um eine namenhafte Persönlichkeit der rechten Szene reicher: Karl-Heinz Hoffmann, 1937 in Nürnberg geboren, gründete 1973 die bis zu 500 Mitglieder starke Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) – ein paramilitärischer Verband von rechten Waffenfanatikern, der sieben Jahre später verboten wurde. 18 Lastwagenladungen mit Waffen, Munition, Handgranaten und Devotionalien beschlagnahmte damals die Polizei. Die WSG erlangte u.a. durch Attentate traurige Berühmtheit. So wurden am 19. Dezember 1980 ein jüdischer Verleger und ehemaliger Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg und dessen Lebensgefährtin in Erlangen von einem WSG-Mitglied erschossen. Im gleichen Jahr war mindestens ein Mitglied der von Hoffmann ausgebildeten WSG verantwortlich für das Münchener Oktoberfestattentat. Im Juni 1981 wurde der Wehrsportchef verhaftet und wegen Geldfälschung, Nötigung, gefährlicher Körperverletzung, Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie mehrerer Fälle von Freiheitsberaubung angeklagt und drei Jahre später zu einer Haftstrafe von über neun Jahren verurteilt. Wegen guter Führung und „günstiger Sozialprognose” kam Hoffman 1989 wieder auf freien Fuß. Im Anschluss gründete er mehrere Bau- und Sanierungsfirmen in Nürnberg und verfügte schließlich über ein Firmenkonglomerat von bis zu 15 Unternehmen. Mit dem Fall der Mauer in der DDR kehrte er nach Kahla in sein Elternhaus am Karl-Liebknecht-Platz zurück und sanierte hier zahlreiche Wohnungen und Büros – auch unter Mithilfe von rechten Jugendlichen aus Kahla.

bild_hoffmann2Teile der Innenstadt gehörten schließlich Hoffmann und dessen Frau, über ein Dutzend Häuser kamen in ihren Besitz und auch die Eröffnung der ersten eigenen Gaststätte, der „Gerberstube“ in der Gerberstraße, ließ nicht lange auf sich warten. Es seien vor allem die „feinen Herren“ mit Mercedes-Limousinen gewesen, mit denen Hoffmann Mitte der 90er in der Stadt auftauchte, die Eindruck schindeten, seine Häuser kauften, sie sanieren ließen und Hoffmann die Hausverwaltung übertragen hatten. Woher „der Nazi-Hoffmann“ überhaupt das viele Geld hatte beschäftigte schon damals die Menschen im Ort. „Es sind wohl seine Hintermänner, die ihm das Geld geben“, mutmaßte sogar der damalige Bürgermeister von Kahla. Ein Bruderpaar aus Bayern in Trenchcoat und Anzug fiel mehreren Menschen besonders ins Auge. Niemand wusste, wer sie waren. Recherchen der Journalisten Andrea Röpke und Berny Vogl ergaben: bei dem Älteren der beiden handelte es sich um einen ehemaligen Mitarbeiter des verstorbenen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Er war Träger des Bayerischen Verdienstordens und Mitglied in der CSU-nahen „Hanns-Seidl-Stiftung“. Nach dem Verkauf von drei sanierten Mehrfamilienhäusern von Hoffmann in der Altstadt an das Brüderpaar und einen weiteren bayerischen Investor sollen Hoffmanns Firmenkonten ungefähr 2 Millionen DM zugeflossen sein, erinnerten sich ehemalige Mitarbeiter noch sehr gut.

bild_altstadtVielleicht weil Journalisten sich dafür zu interessieren begannen, gingen die Herrschaften aus Bayern später auf Distanz zu den Hoffmanns. Eine Firma aus Kahla übernahm fortan die Hausverwaltung. Um ca. 2000 wurde auch andere Kontakte zu alten und neuen Nazis bekannt, zum Beispiel zum Wehrsportgruppen-Unterführer Bernd G., der auch bestätigte, dass Hoffmann ihn nach Kahla zu einer Gaststätteneröffnung einlud. Man habe auch in Büroangelegenheiten zusammengearbeitet. Geschäftliche Partnerschaften gab es ebenso mit dem Chef der Republikaner in Jena. Um die Jahrtausendwende zog sich Hoffmann Stück für Stück zurück, die Geschäfte liefen zunehmend schlechter. Die Firmenmitarbeiter in Kahla wurden entlassen. Für die Firmen seiner Ehefrau fühlt sich Hoffmann nicht mehr zuständig. „Die wurden verkauft“, sagte er. In Kahla erzählte man sich, dass ein „alter Kamerad“ diese übernommen hatte. Die Person entpuppte sich später als ein per Haftbefehl gesuchter „Firmenbestatter“, der marode deutsche Unternehmen nach Spanien verlegte.

In den Jahren 2002/2003 gab es nochmal drei weitere Gewerbeanmeldungen von Hoffmann in Kahla. Auch die „ProCon Projekt Contor GmbH“ war ihm zuzurechnen. Bis 2009 war sie noch im Handelsregister mit Sitz in Kahla eingetragen, als Unternehmen zum An- und Verkauf von Grundstücken und zur Vorbereitung und Durchführung von Bauvorhaben. Mit der Abmeldung in Kahla 2009 verlegte Hoffmann dann formal den Geschäftssitz nach Neunkirchen in Baden-Württemberg, wo er ohnehin schon ansässig war. Ein Jahr später fiel der Wehrsportgruppengründer dann wieder besonders in der Neonazi-Szene auf: Am 11. September 2010 referierte er in Sachsen bei einem Vortrag unter dem Motto „Die WSG – Klischee und Wirklichkeit“ – mit dabei: extra angereiste Neonazis aus Kahla & Umgebung. Einige von diesen hatten bereits Wochen zuvor mit der Vorbereitung von Anschlägen experimentiert und wurden deswegen durch eine Sonderkommission der Thüringer Polizei überwacht. Auf dem Rückweg vom Hoffmann-Vortrag erfolgte dann der Zugriff in Kahla mit mehreren Durchsuchungen. Grund: die Nazis wurden verdächtigt, Sprengstoff nach Thüringen zu schmuggeln. Auch Karl-Heinz Hoffmann bekam in diesem Zusammenhang Besuch von der Polizei: sie durchsuchte 2010 auch ein Objekt in jenem Ort in Neunkirchen, an den er zuletzt seine Firma aus Kahla umgemeldet hatte. Weitere Informationen zu den Anschlagsambitionen der Kahlaer Neonazis auch in diesem Verfahren gibt es auf den folgenden Seiten hier im Artikel zur Naziszene in Kahla heute.

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