Rechtsextremismus?

Rechtsextremismus nach Richard Stöss

In der Literatur und in der umgangssprachlichen Nutzung werden die Begrifflichkeiten Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus oft synonym verwendet: Der Verfassungsschutz benutzt seit l973 beide Begriffe. Sie sind inhaltlich verschieden unterlegt sind. Mit Rechtsextremismus sind verfassungsfeindliche Tendenzen im Rechtssinne gemeint. Rechtsradikalismus beschreibt Tendenzen, die sich noch innerhalb des Verfassungsrahmens bewegen.

Eine einheitliche Definition des Begriffes Rechtsextremismus existiert nicht. Dies liegt auch an den unterschiedlichen realen Erscheinungsformen sowie dessen ständiger Anpassung an sich verändernde Bedingungen. Die Theorie von Richard Stöss, welche weithin anerkannt ist, fragt nach Einstellungs- und Verhaltensmustern. Stöss stellt die These auf, dass Rechtsextremismus als Sammelbegriff für unterschiedliche gesellschaftliche Phänomene gesehen wird, die als rechtsgerichtet, undemokratisch und inhuman gelten. Weiterhin unterscheidet er zwischen rechtsextremen Einstellungen und rechtsextremen Verhalten: Da nur ein geringer Teil der Bevölkerung politisch aktiv ist, ist das Einstellungspotential wesentlich größer als das Verhaltenspotential. Man spricht von einem vielschichtigen Einstellungspotential. Beim Verhalten hingegen wird zwischen zielgerichtetem Verhalten und Protestverhalten unterschieden. Rechtsextreme Aktivitäten müssen nicht gleichzeitig rechtsextreme politische Ziele verfolgen. Motivation für Verhalten kann der individuellen Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen entspringen. Mittels provokativer Methoden (bspw. Hakenkreuzschmierereien) wird dem Ausdruck verliehen. Demgegenüber steht das Verhalten, das ein rechtsextremes politisches Ziel verfolgt. Die Grenzen zwischen Protestverhalten und zielgerichtetem politischen Verhalten sind allerdings fließend. Richard Stöss spricht dann von Rechtsextremismus, wenn mehrere der aufgelisteten Dimensionen zutreffen.

Die Verwendung des Begriffes „Rechtsextremismus“ meint nach Stöss das gleichzeitige Auftreten mehrerer der von ihm definierten Einstellungsmuster (Autoritarismus, Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit. Antisemitismus und Pro-Nazismus). Dabei ist letztlich egal, ob den genannten Einstellungen mittels Gewalt Ausdruck verliehen wird.

Jedoch liegt das Problem im Begriff Rechtsextremismus selbst: Der Wortteil „rechts“ suggeriert, dass es eine demokratische Mitte gäbe. die von Linken und Rechten umgeben ist und an deren Rändern sich Extremisten befinden. Dass es dabei gravierende inhaltliche Differenzen zwischen linkem und rechtem Weltbild gibt und auch die vermeintliche Mitte Teile dieser beiden Denkmuster vertritt, wird im Beitrag „Extremismus in der Mitte“ deutlich.

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